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1. Volleyball Bundesliga

Deichstadtvolleys: Achterbahnfahrt mit Erfurt

Neuwied.
Mit 1:3 Sätzen (18:25, 15:25, 25:23, 16:25) unterlag der VC Neuwied am Samstagabend Schwarz-Weiß Erfurt. Dabei erreichte er zwar das Minimalziel, einen ersten Satzgewinn in der Bundesliga zu verbuchen, blieb aber letztlich chancenlos.

2022 11 19 AngriffMadsen tj 1280Yasmine Madsen setzt sich kraftvoll gegen den Erfurter Block durch. Foto: Tobias Jenatschek

Auf eine Achterbahnfahr der Emotionen begaben sich die Deichstadtvolleys am Samstagabend in der Sporthalle des Rhein-Wied-Gymnasiums. Dazu nahmen sie 250 Zuschauer, ihren Betreuerstab und ihre Gegnerinnen mit. Letztere konnten danach Halle und Hinterfeld der Tabelle zufrieden verlassen, nahmen sie doch 3 Punkte vom Rhein nach Thüringen mit. „Man darf über einen Sieg immer glücklich sein und etwas feiern“, konstatierte Erfurts Trainer Konstantin Bitter. „Aber wir haben dazu nicht viel Zeit und müssen unseren Blick nach vorne richten. Schon am Mittwoch wartet Dresden auf uns“.

Neuwied begann rasant, servierte gut und spielte schnell eine kleine Führung heraus. Pia Fuchs mit überlegten Bällen und die kraftvolle Yassu Madsen waren in dieser Phase die erfolgreichsten Neuwieder Vollstreckerinnen. Das Publikum merkte, dass sich die Gastgeberinnen etwas vorgenommen hatten und ging begeistert mit. Dann aber hatte sich die Achterbahn dem vorläufigen Gipfel genähert und es ging bergab. Zunächst nur allmählich: Erfurt holte langsam auf und lag zur zweiten technischen Auszeit mit 16:15 erstmals vorne. Neuwied hatte mit seinem risikoreichen Spiel gelegentlich Pech und immer mehr Aufschläge fanden ihr Ziel nicht. So konnte sich mit nachlassendem Neuwieder Druck die Erfurter Regie besser einfinden, schneller und über die Außenpositionen effektiver angreifen lassen. Die Gewöhnung an die flache, enge Neuwieder Halle war abgeschlossen, so konnten die Gäste ihrerseits mehr Aufschlagdruck erzeugen und ihren Block erfolgreicher postieren. Neuwied geriet mehr und mehr in Rückstand und verlor den Satz schließlich mit 18:25 ohne letztlich zu enttäuschen, hatte man doch auch erfolgreiche Kombinationen und spektakuläre Abwehrtaten vorführen können.

Im zweiten Satz bemühte sich Neuwied dann aber, seiner Außenseiterrolle gerecht zu werden. Kapitänin Sina Fuchs blieb zwar kämpferisches Vorbild, doch lief in ihrer Mannschaft wenig zusammen. Von Neuwieder Einzelleistungen abgesehen, punktete Erfurt nach Belieben, Neuwied schien jeglichen Matchplan verloren zu haben – die Achterbahn wurde bis zum 15:25 schien immer abschüssiger und das Satzende schien einen kurzen Abend in Aussicht zu stellen.

So begann der 3. Satz wie der zweite geendet hatte. Zwei Missverständnisse in der Annahmeformation, ein guter Erfurter Block und thüringische Angreiferinnen, die sich über zwangsläufige Neuwieder Dankebälle bedanken konnten… Beim 1:6-Rückstand musste Yağlıoğlu mit einer Auszeit die Notbremse ziehen. „Wir haben einige taktische Änderungen vorgenommen, die dann auch funktioniert haben“, erklärte er nach dem Spiel. Neuwied kämpfte, das Publikum mit ihm und es ergab sich eine spannende kurvenreiche Fahrt mit einigen Loopings. Auftakt war eine präzise Ballannahme durch Libera Klara Single, die nach der Partie als beste Neuwieder Spielerin ausgezeichnet werden sollte, ein schnelles Zuspiel von Lisi Kettenbach über Kopf auf Yassu Madsen, die spektakulär vollstreckte: Neuwied glich beim 10:10 aus. Von nun an ging es im Gleichschritt Richtung Crunchtime, in der sich Neuwied erst beim 22:20 einen kleinen Vorteil verschaffen konnte. Sina Fuchs erwies sich in dieser Phase einmal mehr als Führungsspielerin, so dass es ihr auch vorbehalten blieb, den 2. Satzball aus einer gelungenen Ballannahme heraus zu verwandeln. Neuwied hatte sein Minimalziel des Abends erreicht, die junge Truppe ihr Potenzial angedeutet und die Partie schien wieder offen.

„Wir wollten diesen Flow mit in den 4.Satz nehmen, zeigte sich Yağlioğlu nach dem Spiel etwas enttäuscht. „Wir müssen aber als Mannschaft noch lernen, in einer solchen Situation die Kontrolle zu behalten, indem wir unsere Emotionen kontrollieren, wenn es zwischendurch zu Misserfolgen kommt, aber das werden wir noch“, ist er auch optimistisch. So aber kam es trotz Kampfes und individueller Erfolge, dass die deutlich routinierteren Erfurterinnen ihren Vorsprung ausbauen, den Satz mit 25:16 verbuchen und ihren ersten Auswärtssieg mit nach Hause nehmen durften.

Bleibt nachzutragen, dass mit der 15-jährigen Alice Turmovich erstmalig eine Nachwuchsspielerin mit im Kader stand. Der Nachwuchs für das Neuwieder Nachwuchsteam steht also schon in der Wartereihe.

„Wir haben unsern ersten Satz gewonnen, das ist erfreulich, wir müssen aber immer noch mehr Erfahrungen sammeln, denn in dieser Liga wird uns keiner etwas schenken“, fasste Yağlioğlu seine Erkenntnisse aus der Achterbahnfahrt zusammen.

Gelegenheit dazu besteht bereits am Mittwoch, 23.11., wenn um 18.30 Uhr die Aachener Ladies in Black zum Nachbarschaftstreffen bitten. „Wir müssen unseren Satzgewinn positiv sehen und uns daran orientieren“, formuliert Libera Single einen Programmpunkt der Vorbereitungstage, denn auch im Aachener „Hexenkessel“ darf mit Willkommensgeschenken nicht gerechnet werden. Das Spiel wird auf sport1extra übertragen.

(hw)

Die Deichstadtvolleys:
Carla Fuchs, Yasmine Madsen, Pia Fuchs, Sina Fuchs, Kristin vom Schemm, Sina Stöckmann, Elisabeth Kettenbach, Laura Broekstra, Laura Berger, Klara Single, Maya Sendner, Alice Turmovich; Trainer: Tigin Yağlioğlu.

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